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Wenn die Kriebelmücke beißt: Kühlen nicht kratzen

In Deutschland meist ungefährlich

26.08.21 (ams). Sie ist klein und sieht wie eine harmlose Fliege aus – ihr Biss ist jedoch sehr schmerzhaft und kann sich schnell entzünden: Die Kriebelmücke (lat. Simuliidae) kommt weltweit vor, allein in Deutschland gibt es rund 50 verschiedene Arten. Die millimeter-kleinen dunkelfarbigen Mücken leben in und an Fließgewässern und befallen vor allem Weidevieh, aber eben auch Menschen. Hierzulande sind Kriebelmücken in der Regel ungefährlich, in Teilen Afrikas, Mittel- und Südamerikas können sie aber Überträger für die gefürchtete Flussblindheit sein - eine Tropenkrankheit, die durch Fadenwürmer verursacht wird und unter anderem zur Erblindung führen kann (siehe Kasten).

Die Kriebelmücke sticht nicht, sondern beißt: Mit ihrem Mundwerkzeug fräst sie eine kleine Wunde in die Haut und bedient sich dann an dem austretenden Blut. "Der Biss wird oft erst gar nicht bemerkt, weil die Kriebelmücke sich lautlos nähert und die Biss-Stelle mit ihrem Speichel betäubt. Das Speicheldrüsensekret hemmt außerdem die Blutgerinnung, was in der Folge zu kleinen Blutergüssen führen kann", erklärt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband.


Radio- O-Töne mit Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Tipps zur Vorbeugung

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Was man tun kann

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Folgen des Bisses

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Wunde schmerzt erst nach einigen Minuten

Erst nach einigen Minuten beginnt die Wunde zu schmerzen und zu jucken, es können sich kleine Knötchen, Schwellungen und Ödeme bilden. In Deutschland übertragen die Kriebelmücken in der Regel keine ansteckenden Krankheiten. In seltenen Fällen kann es nach einem Biss zu allergischen Reaktionen kommen. Es besteht aber die Gefahr, dass sich die Wunde entzündet, wenn Bakterien hineinkommen. Wichtigste Regel ist daher: Nicht kratzen, auch wenn es fürchterlich juckt. "Im Akutfall sollte deshalb die Wunde desinfiziert und gekühlt werden - zum Beispiel mit einem Kühlpad oder einem sauberen, feuchten Tuch. Auch Salben, die den Juckreiz stillen, können helfen", so Debrodt. Kommt es in den Tagen nach dem Biss zu starken Schwellungen oder bilden sich von der Bissstelle rote Streifen, sollte man dies ärztlich abklären lassen. Gleiches gilt für Symptome wie Schüttelfrost oder Fieber.

Flussblindheit

Die Flussblindheit (Onchozerkose) kommt vor allem in Afrika, Mittel- und Südamerika vor. Kriebelmücken sind hier die Überträger: Sie nehmen von erkrankten Menschen Wurmlarven auf und verbreiten sie weiter. Die sich daraus entwickelnden Fadenwürmer setzen sich dann im menschlichen Bindegewebe fest. Hier werden weiterhin Larven freigesetzt, die in Haut und Augen einwandern.Werden die sich aus dem Befall der Augen entwickelnden Erkrankungen nicht behandelt, dann kann es sein, dass die Betroffenen erblinden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind weltweit rund eine Million Erblindungen auf die Onchozerkose zurückzuführen.

Bei Aufenthalt im Freien schützen

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, kann es helfen, beim Aufenthalt im Freien lange Kleidung zu tragen und Mückenschutzmittel aufzutragen. Kriebelmücken sind tagaktiv und besonders bei warmem Wetter rund um fließende Gewässer unterwegs, bei stärkerem Wind und niedrigeren Temperaturen dagegen kaum. Ins Haus oder in die Wohnung kommt die Kriebelmücke nicht.

Wichtige Funktion im Ökosystem

Die kleinen Plagegeister haben aber auch ihr Gutes: Zum einen sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für anderes Getier wie Libellen, Spinnen oder Vögel. Zum anderen filtern und reinigen ihre Larven das Gewässer, in dem sie heranwachsen. Dadurch spielen sie eine wichtige Rolle im Ökosystem.

 

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