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Ein gebrochenes Herz kann manchmal auch das Leben kosten

Broken-Heart-Syndrom

26.08.21 (ams). An gebrochenem Herzen kann man tatsächlich sterben: Sehr starke seelische Belastungen wie der Tod eines geliebten Menschen, aber auch extreme physische Stresssituationen können zum so genannten "Broken-Heart-Syndrom" führen: Dabei erlahmt der Herzmuskel und bringt nicht mehr die erforderliche Pumpleistung. Meist verläuft das Broken-Heart-Syndrom glimpflich und die Funktion des Herzmuskels erholt sich nach einiger Zeit wieder. Bei etwa einem Viertel der Patientinnen und Patienten kommt es aber zu schweren Komplikationen, auch mit Todesfolge, so das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung.

Der medizinische Name für das "Gebrochene-Herz-Syndrom" lautet Stress-Kardiomyopathie oder Tako-Tsubo-Syndrom. Die krugförmige Ausbildung des Herzmuskels erinnerte den japanischen Arzt, der das Krankheitsbild in den 1990er Jahren erstmals beschrieb, an eine japanische Tintenfischfalle (Tako Tsubo).

Symptome wie beim Herzinfarkt

Die Symptome sind ähnlich wie bei einem akuten Herzinfarkt, weshalb die Unterscheidung zunächst schwierig ist. "In beiden Fällen haben die Betroffenen Symptome wie starke Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit, Schweißausbrüche und Todesangst", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband.


Radio-O-Töne von Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Die Auslöser sind unklar

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Vorbeugen und schnell handeln

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Herzkatheter-Untersuchung bringt Klarheit

Man geht davon aus, dass etwa ein bis zwei Prozent aller Patientinnen und Patienten, bei denen der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht, tatsächlich an einem "Gebrochenen-Herz-Syndrom" leiden. "Eine Herzkatheter-Untersuchung bringt hier Klarheit: Sind die Herzkranzgefäße frei und lassen sich keine nennenswerten Engstellen feststellen, handelt es sich bei entsprechender Vorgeschichte und Symptomatik vermutlich um ein 'Broken-Heart-Syndrom'", so Mediziner Bleek. Hilfreich ist auf jeden Fall, dem Arzt oder der Ärztin mitzuteilen, wenn man sich zuvor in einer psychischen oder physischen Ausnahmesituation befunden hat.

Frauen häufiger betroffen

Betroffen von diesem Krankheitsbild sind überwiegend Frauen nach der Menopause, also dem Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Die Ursache des Syndroms ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem Spasmen der Herzkranzgefäße oder eine Fehlfunktion kleinster Blutgefäße, die die Herzzellen mit Sauerstoff versorgen. Zudem scheinen die Herzzellen von "Broken-Heart-Syndrom"-Erkrankten besonders empfindlich auf Stresshormone zu reagieren. Eine familiäre Häufung lässt darauf schließen, dass auch genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Bei den meisten Betroffenen heilt die Erkrankung ohne Nachwirkungen wieder aus. Bei jedem fünften bis sechsten kann es jedoch später zu einem Rückfall kommen. Besonders gefährlich ist die Akutphase: Hier kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder einer akute Herzschwäche kommen. In etwa einem von zehn Fällen erleiden Broken-Heart-Syndrom-Patienten einen kardiogenen Schock, bei dem das Herz zu wenig Blut in den Körper pumpt, um ihn ausreichend zu versorgen. "Forscher haben festgestellt, dass Betroffene, die einen kardiogenen Schock erlitten haben, in den folgenden Jahren ein deutlich höheres Sterberisiko haben als Patienten ohne kardiogenen Schock. Daher sollten sie über einen längeren Zeitraum beobachtet werden", sagt Bleek. Als Datenbasis für diese Erkenntnisse diente das weltweit größte Register zum Tako-Tsubo-Syndrom, das vom Universitätsspital in Zürich gegründet wurde.

Keine klaren Therapieempfehlungen

Klare Therapieempfehlungen zur Behandlung eines Broken-Heart-Syndroms gibt es bislang noch nicht, die Krankheit ist noch nicht sehr gut erforscht. In der Akutphase werden meist Betablocker und ACE-Hemmer zur Therapie der Herzschwäche verabreicht.

Entspannungstechniken können übermäßigem Stress vorbeugen, zum Beispiel progressive Muskelentspannung oder eine gute Atemtechnik. Diese sollten dann möglichst auch in einer Stresssituation eingesetzt werden.

"Wichtig ist in jedem Fall: Wenn sie ein starkes Engegefühl und Schmerzen in der Brust und Atemnot haben, sollten Betroffene unbedingt die 112 wählen!", rät Arzt Bleek. Wer unter Belastung immer wieder Herz-Beschwerden hat, sollte dies zeitnah kardiologisch abklären lassen.