Lesedauer: 4 Minuten

Mit Antipilzmitteln gegen den Mundsoor

ams-Serie "Achtung ansteckend!" (8)

26.08.21 (ams). Weißliche Beläge und entzündete Stellen in Mund und Rachen sind ein Indiz für eine orale Candidose, auch Mundsoor genannt. Ausgelöst wird diese oft schmerzhafte Infektion durch Hefepilze auf den Schleimhäuten. Für Betroffene kann sie belastend sein, da wegen der Schmerzen auch das Essen und Trinken schwerfällt. In der Regel lassen sich orale Candidosen aber mit Antipilzmitteln (Antimykotika) gut behandeln.

Viele Menschen tragen Hefepilze in sich und haben damit meist keine Probleme. Krankheiten oder zum Beispiel eine Krebstherapie schwächen jedoch die Abwehrkräfte - was das Wachstum der Pilze extrem beschleunigen kann. "Eine Pilzinfektion trifft daher vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, aber auch Pflegebedürftige, deren Allgemeinzustand häufig schwach und Neugeborene, deren Immunsystem noch nicht voll ausgeprägt ist", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Auch Zahnprothesen können Mundsoor verursachen, wenn etwa das Gebiss nicht richtig sitzt oder nicht regelmäßig gereinigt wird oder wenn die Mundschleimhaut durch ständige Reibung Reizung erfährt. Ein Mundsoor kann auch Hinweis auf eine Diabetes-Erkrankung sein. "Daher ist es wichtig", so Ebel, "dass nicht nur der Mundsoor, sondern auch die Grunderkrankung behandelt wird."


Radio-O-Ton von Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Wer von Mundsoor betroffen sein kann

Download MP3

Unbehandelt kann die Infektion Wochen andauern

Typische Anzeichen für einen Mundsoor sind die weißen Beläge auf der Zunge, im Mund- und Rachenraum, Betroffene haben oft ein pelziges Gefühl im Mund. Manchmal sind die Schmerzen so unangenehm, dass sie kaum mehr essen und trinken wollen - was negative Auswirkungen auf die gesamte körperliche Verfassung hat. "Wird eine Candidose nicht behandelt, kann sie viele Monate andauern, deshalb ist ein Arztbesuch auf jeden Fall ratsam", sagt Mediziner Ebel. Die Pilzinfektionen lassen sich mit Antimykotika gut behandeln - diese Mittel können das Wachstum der Pilze hemmen oder sie sogar abtöten. Beispiele für Antimykotika sind Clotrimazol, Miconazol oder Fluconazol. Manche Mittel werden als Salbe lokal aufgetragen, andere als Tabletten oder Saft geschluckt. In Arztpraxen oder Apotheken werden Betroffene entsprechend beraten. Die Medikamente müssen in der Regel ein bis zwei Wochen lang genommen werden. So lange es wunde Stellen im Mund gibt, sollten Erkrankte heiße und alkoholische Getränke sowie stark gewürztes Essen meiden und möglichst weiche Kost zu sich nehmen.

Gute Mundpflege wichtig - vor allem für Pflegebedürftige

Unzureichende Mundhygiene kann die Entstehung von Pilzinfektionen begünstigen. "Gute Mundpflege ist daher sehr wichtig: dazu gehört regelmäßiges Zähneputzen und Reinigen der Zahnzwischenräume. Prothesen müssen ebenfalls regelmäßig gesäubert werden", rät Ebel. Ein Problem vor allem älterer Menschen ist, dass sie oft zu wenig trinken. Deshalb sollte man zum Beispiel pflegebedürftigen Menschen immer wieder Getränke anbieten, damit die Mundschleimhaut feucht bleibt. Wer Schwierigkeiten beim Schlucken hat, kann zum Beispiel durch Beißen auf Zitronenscheiben den Speichelfluss anregen. Die Pflege der Lippen ist ebenfalls wichtig, damit sie nicht rissig und trocken werden.

Auf Hygiene bei Babys achten

Auch bei Neugeborenen und Babys können Pilzinfektionen im Mund häufiger auftreten. Eltern sollten daher auf eine gute Hygiene achten: Alles, was der Säugling in den Mund nimmt - Schnuller, Fläschchen oder Beißringe -, sollte immer gereinigt werden. Arzt Ebel: "Das gilt auch für den heruntergefallenen Schnuller: Bitte nicht selbst ablutschen, sondern besser immer abwaschen."