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Achtsamkeit: Wichtiger Baustein für Gesundheit in der Pflege

Lernen, im Hier und Jetzt zu sein

25.11.21 (ams). Zeitdruck, zu viele Aufgaben und körperlich anstrengende Tätigkeiten belasten Pflegekräfte in ambulanten und stationären Einrichtungen sowie in Krankenhäusern. Unangenehme Gedanken und Gefühle werden zur Seite geschoben. Das kann zu Stress, Schlafproblemen oder Burnout führen - von den negativen Folgen sind Körper und Psyche gleichermaßen betroffen. Genau hier setzt Achtsamkeit an. Ein Konzept, das ursprünglich aus dem Buddhismus stammt, soll Stress reduzieren und damit die Lebensqualität erheblich steigern. "Achtsam sein" meint, die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu richten. Empfindungen werden dabei betrachtet, aber nicht bewertet. "Sich bewusst Pausen zu nehmen und die Aufmerksamkeit auf den Moment zu richten, ohne zu bewerten, hat nachgewiesen einen entspannenden Effekt", sagt Werner Winter, Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) im AOK-Bundesverband.

So einfach das auf den ersten Blick klingt, bei der Achtsamkeit handelt sich um eine Fähigkeit, die die meisten Menschen erst trainieren und neu erlernen müssen. Die AOK bietet unter www.liveonlinecoaching.com Trainings an, in denen Teilnehmende einen achtsamen und wohlwollenden Umgang mit sich lernen und damit aktiv etwas für ihre Gesundheit tun.

Erste Studien sind ermutigend

Wissenschaftliche Studien des noch jungen Forschungsfeldes zum Thema zeigen, dass sich die Techniken von Achtsamkeit positiv auf Stressresistenz, Gelassenheit, Wohlbefinden, Erholungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration im Berufsalltag auswirken. So zeigt zum Beispiel die Initiative Arbeit und Gesundheit (iga), welche Wirkungen verschiedene Formen von Achtsamkeitstrainings im Arbeitskontext haben können (iga.Report 45). Außerdem hat ein Forschungsteam aus Spanien 2020 unter anderem herausgefunden, dass emotionale Erschöpfung bei Pflegekräften durch Achtsamkeitstraining abnehmen kann.

Große Chance für die Pflege

"Achtsamkeit bedeutet eine große Chance für Pflegekräfte und Pflegeunternehmen. Wenn Menschen entspannter sind und weniger gestresst, wirkt sich das auch positiv auf die Arbeitsmotivation aus und das Teamklima ist ebenfalls besser!", betont Winter. Noch sind Räume in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, in denen sich Pflegekräfte zum inneren Auftanken zurückziehen können, eher selten. Die AOK unterstützt durch Beratung die Einrichtungen vor Ort, gesundheitliche Strukturen zu schaffen. "Eine zentrale Rolle spielen dabei Führungskräfte. Sie leben vor, was im Unternehmen oder auf der Station möglich ist und können Angebote zur Förderung der Gesundheit aktiv unterstützen", so Winter weiter.

Achtsamkeitsübungen - Beispiele

Viele Achtsamkeitsübungen haben auf den ersten Blick nichts mit dem Pflegealltag zu tun. Sie helfen aber, Dinge anders wahrzunehmen und unterbrechen gewohnte Gedankenketten. Hier einige Beispiele:

  • Atemübungen lenken die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und lassen spüren, wo Verspannungen sitzen. Ein Beispiel: Mit aufrechtem Rücken und entspannten Schultern sitzen oder stehen. Die Augen schließen und die Hand sanft auf den Bauch legen. Das Bewusstsein auf den Atem richten und mehrere Minuten tief ein- und ausatmen. Dabei fühlen, wie die Luft in den Körper strömt und der Bauch sich weitet. Beim Ausatmen spüren, wie die Luft aus dem Bauch herausfließt.
  • Auch bewusstes Essen verschafft Momente der Ruhe. Für das Essen sollte man sich Zeit nehmen und Störquellen wie Smartphones ausschalten. Kleine Bissen bewusst in den Mund nehmen und ausgiebig kauen; auch registrieren, wie sie sich auf der Zunge, am Gaumen anfühlen.
  • Kleine Momente des Innehaltens bringen Freude in den Alltag. Dazu gehören, das Lächeln eines anderen Menschen bewusst wahrzunehmen, die Sonne auf der Haut zu spüren oder sich selbst etwas Gutes zu tun, zum Beispiel ein Wohlfühlbad.
  • Meditationen öffnen Menschen innere Räume der Ruhe und der Kraft. Hier gibt es zahlreiche Angebote, etwa bei Volkshochschulen oder Gesundheitsdienstleistern.
  • Wer schwierige Situationen analysiert und unangenehme Gefühle akzeptiert schafft es eher, brisante Momente zu entschärfen und sie gedanklich loszulassen. Hohe Ansprüche an sich selbst, gilt es zu überprüfen. Erfahrene Psychotherapeut*innen oder Supervisoren können den Prozess begleiten.

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