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Farbfehlsichtigkeit: Wenn aus Rot und Grün grau werden kann

Männer häufiger betroffen

20.01.22 (ams). Auch farbenblinde Menschen sehen in der Regel ihre Umgebung farbig, wenn auch wahrscheinlich weniger bunt. Hinter dem Begriff „Farbenblindheit“ stecken verschiedene Farbsehstörungen, meistens liegt eine Rot-Grün-Schwäche vor, selten eine komplette Farbenblindheit. Behandelbar ist eine Farbfehlsichtigkeit bisher nicht, doch meistens kommen die Betroffenen damit im Alltag gut zurecht. Für manche Berufe sind Farben jedoch essentiell: Ob Menschen mit einer Farbfehlsichtigkeit beispielsweise als Pilotin oder Modedesigner arbeiten oder in der Schifffahrt tätig sein können, muss im Einzelfall geprüft werden.

"Wenn von Farbenblindheit gesprochen wird, handelt es sich meistens um eine Rot-Grün-Schwäche", sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. "Die Menschen mit dieser Farbschwäche nehmen die Farben zwar wahr. Je nachdem welche Farbe betroffen ist, aber schwächer und haben Schwierigkeiten, diese voneinander zu unterscheiden."


Radio O-Töne zum Thema von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Was genau Farbenblindheit ist

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Ursachen der Farbsehschwäche

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Zapfen für Rot und Grün

Schätzungsweise etwa vier Millionen Menschen in Deutschland sind farbenblind, wobei zwischen vier verschiedenen Arten der Farbenblindheit unterschieden wird: Rot-Grün-Schwäche, Rot-Grün-Blindheit, Blau-Gelb-Störungen und die totale Farbenblindheit. Etwa acht Prozent der Männer, aber nur 0,4 Prozent der Frauen sind von einer Rot-Grün-Schwäche betroffen (Quelle: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands).  Das liegt daran, dass die Farbschwäche genetisch bedingt ist und die Gene für die Farbrezeptoren auf dem X-Chromosom liegen. Bei Frauen gleicht das zweite gesunde X-Chromosom die Genveränderung in der Regel aus, männliche Lebewesen haben aber kein zweites X-, sondern ein Y-Chromosom. Menschen kommen also mit der Rot-Grün-Schwäche auf die Welt, und es sind immer beide Augen betroffen.

Die fehlerhafte Erbinformation sorgt bei ihnen dafür, dass die Sinneszellen der Netzhaut, die die Grün- oder Rottöne wahrnehmen können, defekt sind oder ganz fehlen. Der Mensch kann Farben sehen dank der Millionen von sogenannten Zapfen, die in der Netzhaut liegen. Das sind spezielle Sinneszellen, die auf Licht reagieren. Es gibt drei Arten von Zapfen: Die einen nehmen rotes Licht wahr, andere grünes und die dritte Art reagiert auf blaues Licht. Aus diesen drei Farben setzt sich unser Farbensehen zusammen. Liegt nun bei den Rot- oder Grünzapfen eine Störung vor, ist das Sehen von Rot oder Grün beeinträchtigt. Das reicht von einer Rot-Grün-Schwäche bis hin zu einer echten Rot- oder Grünblindheit, bei der die Betroffenen die jeweilige Farbe gar nicht mehr erkennen können. Sehr selten sind die Blauzapfen betroffen, dann kommt es zu einer Blaublindheit oder Blausehschwäche, was auch als Blau-Gelb-Blindheit beziehungsweise Blau-Gelb-Sehschwäche bezeichnet wird.

Zapfen und Stäbchen

Der Mensch verfügt über die Fähigkeit, ein breites Spektrum an Farben wahrzunehmen, zudem in der Dämmerung alle möglichen Schattierungen und Umrisse auszumachen. Wie vollbringt das menschliche Auge diese Leistung? Verantwortlich dafür sind die Millionen von Sinneszellen, die in der Netzhaut des Auges sitzen. Dabei kann man grundsätzlich zwei Typen von Zellen unterscheiden: Die Zapfen, die ausschließlich im Hellen arbeiten und mit ihren drei Unterarten - den Rot-, Grün- und Blauzapfen - für das Farbensehen zuständig sind. Daneben gibt es die Stäbchen, die im Dunkeln tätig werden und uns ermöglichen, auch in der Dämmerung zu sehen. Das menschliche Auge besitzt etwa sechs Millionen Zapfen und 120 Millionen Stäbchen.

Ebenfalls sehr selten ist jemand wirklich farbenblind. Unter 100.000 Menschen lässt sich ein Betroffener finden, rund 3.000 Menschen in Deutschland. In der medizinischen Fachsprache heißt diese angeborene Störung Achromatopsie (achromatos = farblos, opsis = Sehen). „Bei den Betroffenen funktioniert keiner der Zapfentypen, sie können nur Hell-Dunkel-Stufen erkennen“, so Medizinerin Debrodt. Im Unterschied zur Rot-Grün-Schwäche, bei der die Sehschärfe normal ist, ist das Sehvermögen bei einer Achromatopsie insgesamt stark beeinträchtigt. Zudem sind die Betroffenen extrem lichtempfindlich. Bisher kann diese schwere Form der Farbenblindheit nicht behandelt werden. Hoffnung macht eine erste klinische Studie aus dem Jahr 2020 aus Tübingen zu einer Gentherapie, bei der ein gentherapeutischer Wirkstoff unter die Netzhaut der Patientin oder des Patienten eingebracht wird.

Erworbene Farbenblindheit

Meistens ist eine Farbenblindheit oder -schwäche angeboren, aber auch Krankheiten können die Ursache sein, zum Beispiel Erkrankungen der Netzhaut, etwa im Rahmen einer Diabeteserkrankung oder durch die altersbedingte Makuladegeneration.

Betroffene entwickeln Strategien

Auch gegen eine Rot-Grün-Schwäche gibt es keine Behandlung. Das ist allerdings nicht so dramatisch wie bei der echten Farbenblindheit. "Menschen mit dieser Einschränkung bemerken ihre Farbschwäche oft gar nicht, weil sie ja keine andere Farbwahrnehmung kennen und ansonsten gut sehen können", so Debrodt. "Zudem haben sie im Alltag automatisch Strategien entwickelt, um mit der Schwäche zurechtzukommen." Etwa wenn die Ampel von Rot auf Grün springt, können die Betreffenden durchaus wahrnehmen, dass es "oben", also bei Rot dunkel wird und sich "unten", also bei Grün etwas in Richtung Helligkeit tut. Wenn Eltern unsicher sind, ob ihr Kind farbfehlsichtig ist, können sie sich beim Augenarzt Klarheit verschaffen. Mit speziellen, auch kindgerechten Tests kann die Ärztin oder der Arzt das Farbensehen überprüfen.


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