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Wenn zuckende Beine den Schlaf rauben

Restless-Legs-Syndrom

Foto von Beinen auf einer Matratze unter einer Bettdecke

24.02.22 (ams). Meist geht es abends oder nachts los - die Beine beginnen unkontrolliert zu zucken, werden unruhig, brennen oder kribbeln und haben einen starken Bewegungsdrang. Läuft man dann herum, verschwinden die Beschwerden teilweise oder sogar ganz - zumindest solange, wie die Bewegung anhält. Das sind typische Merkmale eines Restless-Legs-Syndroms (RLS), des Syndroms der ruhelosen Beine. Fachleute gehen davon aus, dass drei bis zehn Prozent der Menschen in Deutschland von dieser neurologischen Krankheit betroffen sind - Frauen häufiger als Männer, so die Deutsche Schmerzgesellschaft  e.V. In wahrscheinlich mehr als der Hälfte der Fälle spielen genetische Faktoren eine Rolle.

"Beim Restless-Legs-Syndrom treten Symptome wie Bewegungsdrang und unangenehme Empfindungen besonders dann auf, wenn der Körper zur Ruhe kommt, also beim Sitzen oder Liegen. Die Betroffenen können dann oft nicht gut schlafen und sind am nächsten Tag müde und erschöpft", sagt Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband. Auch längeres Sitzen zum Beispiel bei Autofahrten, Theater- oder Kinobesuchen kann zu Beschwerden führen.

RLS kommt häufiger in der Schwangerschaft vor

Die Ursachen sind vielfältig: Neben erblicher Vorbelastung können eine fortgeschrittene Nierenschwäche, Eisenmangel, bestimmte Medikamente oder Schädigungen von Nerven oder Gelenken Auslöser für ein RLS sein. Die Behandlung der Grunderkrankung ist daher besonders wichtig. Relativ häufig kommt das Restless-Legs-Syndrom in der Schwangerschaft vor: Zwischen 15 bis 25 Prozent der Schwangeren sind davon betroffen, meist im letzten Schwangerschaftsdrittel. Tritt das RLS erstmalig in der Schwangerschaft auf, verschwindet es in der Regel nach der Entbindung wieder.


Radio O-Töne zum Thema von Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband

Behandlung mit Dopamin

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Auf den Eisenhaushalt achten

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Der Dopamin-Stoffwechsel ist oft beteiligt

Ein weiterer Faktor kann ein gestörter Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin sein: Der Bewegungsdrang im Ruhemodus oder Schlaf wird dann nicht mehr ausreichend unterdrückt und ungefiltert an die Muskeln weitergegeben. "Medikamente L-Dopa sowie Dopamin-Agonisten können bei einigen Betroffenen die Beschwerden lindern: Sie können allerdings auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Übelkeit, Benommenheit und Schlafstörungen bis hin zur Verstärkung der eigentlichen Problematik im längeren Therapieverlauf. Eine fachärztliche Behandlung ist daher sinnvoll", erklärt Medizinerin Maroß. Einige Betroffene reagieren mit Symptomverstärkung bei Einnahme anderer Medikamente - hier ist die Zusammenarbeit verschiedener Fachexperten wichtig, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen.

Das können Erkrankte selbst tun

Erkrankte können aber auch selbst etwas gegen die Beschwerden tun. Wichtig ist eine ausreichende Eisenzufuhr in der Ernährung. Frauen, besonders Schwangere, sollten darauf achten. Ein guter Eisenlieferant ist Fleisch. Wer sich lieber pflanzlich ernährt, kann über Vitamin-C-Lieferanten wie Orangen oder Brokkoli die Eisenaufnahme unterstützen, denn Vitamin C fördert die Eisenaufnahme.

Um die Durchblutung zu fördern, helfen Wechselduschen, Fußbäder, Massieren und Bürsten der Beine oder Gymnastikübungen. Das hilft einigen Betroffenen zumindest kurzzeitig. Auch Schwimmen, Radfahren, Spaziergänge oder Gartenarbeit sind geeignet. "Wichtig ist dabei das Maß. Überanstrengen Sie sich nicht und vermeiden Sie körperliche Arbeit und Sport kurz vor dem Schlafengehen", rät Dr. Maroß. Auf koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Nikotin sollten Betroffene am besten schon nachmittags verzichten.

Austausch mit anderen hilft

Da ein Restless-Legs-Syndrom für andere oft nicht sichtbar ist, können sie die Beschwerden nicht immer nachvollziehen. Hier kann es helfen, mit anderen offen über die Erkrankung zu sprechen und zu erklären, warum man häufig so müde ist oder warum es schwerfällt, länger im Theater oder Kino zu sitzen. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe, kann unterstützend sein.