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So werden kleine Wunden optimal versorgt

Aua, weh!

29.06.22 (ams). Ob im Haushalt, bei der Gartenarbeit, beim Sport oder Spielen - ruckzuck hat man sich eine kleine Schürf- oder Schnittwunde zugezogen, den Ellenbogen aufgeschlagen oder das Knie geprellt. Auch kleine Verletzungen tun oft weh, können jedoch meist problemlos zu Hause versorgt werden. Dabei sollten einige einfache Regeln der Wundversorgung beachtet werden."Egal ob groß oder klein - wenn eine Wunde verunreinigt ist, besteht das Risiko, dass Keime in die Blutbahn gelangen können. Das kann besonders gefährlich werden, wenn es Sporen von Tetanus-Bakterien sind. Sie können nahezu überall vorkommen - also zum Beispiel im Straßenstaub oder in der Gartenerde - und den sogenannten Wundstarrkrampf auslösen. "Das ist eine schwere Erkrankung, bedingt durch das Gift des Tetanus-Bakteriums. Dieses kann Nervenzellen befallen, zu Muskelkrämpfen führen und sogar tödlich verlaufen", sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. Deshalb ist es wichtig, dass jede und jeder gegen Tetanus geimpft ist. Kinder sollten bereits im Säuglingsalter eine Grundimmunisierung gegen Tetanus erhalten - bevorzugt als Teil einer Sechsfachimpfung. Danach erfolgt eine Auffrischungsimpfung im Vorschulalter und eine weitere zwischen neun bis 17 Jahren. Im Erwachsenenalter empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Auffrischung alle zehn Jahre. Wer unsicher ist, ob der Impfschutz noch ausreicht, lässt den Impfpass am besten in der Hausarzt- oder Kinderarztpraxis überprüfen.


Radio O-Töne zum Thema von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Impfschutz gegen Tetanus

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Dann ist ärztliche Behandlung nötig

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Große und tiefe Wunden immer ärztlich versorgen

Wie eine Wunde behandelt wird, kommt auf die Lokalisation, die Tiefe, den Grad der Verunreinigung und das Ausmaß der Verletzung an. Großflächige, tiefe, stark verschmutzte oder schlecht heilende Wunden sowie Brandverletzungen, die über eine rein oberflächliche Verletzung der Haut hinausgehen, müssen ärztlich versorgt werden. Das gilt insbesondere, wenn der Verletzte bewusstlos ist, über Schwindel klagt, stark blutet oder starke Schmerzen hat. Bei unvollständigem oder unklarem Impfstatus sollte ebenfalls ärztliche Hilfe gesucht werden. Doch auch Bagatell-Verletzungen müssen optimal versorgt werden. Ärztin Debrodt gibt Tipps für eine gute Versorgung kleiner Wunden:

Oberflächliche Schnittwunde

Kleinere Schnittwunden lässt man am besten kurz bluten, damit der Schmutz aus der Wunde gespült wird - die Wunde dabei nicht berühren, da sonst Keime hineingelangen können. Verschmutzte Wunden werden danach mit sauberem Wasser oder einer Wundspüllösung gereinigt. Anschließend lassen sich die Wundränder gut mit einem Pflaster zusammenbringen. So heilt die Verletzung schneller.

Platzwunde

Auch kleine oberflächliche, nicht verunreinigte Platzwunden können selbstständig behandelt werden. Um einer Infektion vorzubeugen, ist es sinnvoll, die Wunde zu desinfizieren und anschließend mit einer sterilen Auflage abzudecken. Diese ist wichtig, um einer Verunreinigung vorzubeugen.

Schürfwunde

Sind Schürfwunden verschmutzt, müssen sie gut gereinigt werden. "Spülen Sie solche Verletzungen zunächst mit lauwarmem Leitungswasser", so Ärztin Debrodt. In Deutschland eignet sich dazu das Trinkwasser aus der Leitung, da es hohe Qualitätsstandards erfüllen muss. Informationen zu anderen Ländern gibt es beim Auswärtigen Amt.

Nach dem Spülen sollte die Wunde dann desinfiziert werden. Kleinere Schrammen können offen heilen, größere Abschürfungen sollten abgedeckt werden - mit einer sterilen Kompresse oder einem Pflaster.

Vor der Hilfe kommt die Hygiene

Bevor Wunden versorgt werden, sollten einige Hygienemaßnahmen beachtet werden. Ganz wichtig ist, dass die Hände sauber sind. Entweder können sie gründlich mit Seife und Wasser gewaschen oder mit einem Desinfektionsmittel gereinigt werden. Sinnvoll ist es auch, sterile Einweghandschuhe zu verwenden. Damit schützen sich die Helfenden selbst vor Infektionen und den Verletzten vor Keimen, die an den Händen der Ersthelfenden sind.

Splitter

Kleine Splitter, die aus der Haut herausragen oder nicht tief in der Haut stecken, können vorsichtig mit einer Pinzette entfernet werden. Auch hier ist es wichtig, die Stelle anschließend zu säubern und abzudecken.

Prellung

Wer mit Wucht gegen ein Hindernis prallt, bekommt oft sogenannte blaue Flecke (Blutergüsse). Es hilft, wenn die betroffene Stelle sofort gekühlt und ruhiggestellt sowie hochgelagert wird. Dazu können Umschläge mit kaltem Wasser oder auch Eisbeutel verwendet werden. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und es tritt weniger Blut aus. So wird der Schmerz gelindert und der Schwellung entgegengewirkt. Bei der Kühlung eine Unterlage verwenden, um Erfrierungen vorzubeugen.

Verbrennung/Verbrühung

Verbrennungen und Verbrühungen müssen sofort mit sauberem, lauwarmem (15 bis 20°C) Leitungswasser mindestens 15 Minuten gekühlt werden - anschließend einen Verband mit steriler Brandkompresse anlegen. Die Kühlung wirkt der Ausbreitung der Hitze in das umliegende Gewebe entgegen. Kleinere Brandwunden und Verbrennungen müssen nicht unbedingt ärztlich vorgestellt werden. "Sind diese allerdings entzündlich verändert, zeigen sich Brandblasen mit weißem Grund, sind Babys oder Kleinkinder betroffen, ist das Gesicht und die Augen- oder Genitalregion betroffen, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Grundsätzlich gilt das auch, wenn die Brandfläche größer als die Hand der betroffenen Person ist und Schockzeichen wie kalter Schweiß und Zittern auftreten", so Medizinerin Debrodt. Blasen nicht selbstständig aufstechen, sondern ebenfalls ärztlich vorstellen. 

Kratz- und Bisswunden von Tieren

Große Infektionsgefahr besteht bei Biss- oder Kratzwunden durch Tiere - die Folge kann eine Blutvergiftung oder ein Wundstarrkrampf sein. "Lassen Sie eine Bisswunde daher immer ärztlich untersuchen", so Debrodt. Eine Infektion kann schon bei harmlos wirkenden Wunden eintreten. Im Fall eines Tierbisses muss außerdem geklärt werden, ob das Tier eventuell an Tollwut erkrankt ist: Zwar gilt Deutschland seit 2008 offiziell als frei von klassischer Tollwut, doch werden immer wieder erkrankte Tiere aus anderen Ländern importiert - und man kann ja auch im Urlaubsland von einem Tier gebissen werden.

Für jede Wunde gibt Debrodt folgenden Ratschlag: "Beobachten Sie die versorgte Wunde auch im Verlauf der Heilung gut. Wechseln Sie die Verbände bei kleinen Abschürfungen, Schnitt- und Platzwunden zunächst täglich beziehungsweise je nach Verbandmaterial nach Bedarf und achten Sie auf Zeichen einer Wundinfektion. Treten Rötung, Schwellung, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Fieber auf, so suchen Sie einen Arzt auf."

Hausapotheke immer auf dem neuesten Stand halten

Um im Fall einer Verletzung schnell handeln zu können, ist es wichtig, die Hausapotheke immer gut bestückt zu haben: Wichtig sind für die Wundversorgung Handschuhe, sterile Kompressen, Verbandmaterial für Brandwunden, Mullbinden, elastische Binden, Pflaster für große und kleine Wunden, Heftpflaster, Wund-Desinfektionsmittel, Dreiecktuch, Schere und Pinzette. Wer prüfen möchte, was sonst noch in die Hausapotheke gehört, findet eine Checkliste im Versichertenportal der AOK