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Gesundheitsstatus beeinflusst den Zugang zu Versorgung und Information

Umfrage zur Gesundheitskompetenz

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27.07.22 (ams). Den meisten Menschen in Deutschland fällt es schwer, gute Gesundheitsinformationen zu bekommen und zu bewerten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag des AOK-Bundesverbandes unter 2.000 Bundesbürgern. Der repräsentativen Erhebung zufolge haben zwei von drei Befragten Schwierigkeiten zu beurteilen, ob Gesundheitsinformationen vertrauenswürdig sind. Außerdem fällt es knapp zwei Dritteln der Befragten schwer oder sehr schwer, Informationen zu Unterstützungsangeboten bei psychischen Problemen zu finden. Davon besonders betroffen sind Personen mit schlechterem Gesundheitszustand.

Die Umfrage zeige "wieder einmal die Benachteiligung vulnerabler Gruppen, die es in dieser Spanne nicht geben sollte", sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, anlässlich der Präsentation der Ergebnisse. "Die Schwierigkeit, gesicherte Gesundheitsinformationen zu bekommen, ist bei vulnerablen Gruppen noch stärker ausgeprägt", erläuterte Reimann. Personen mit schlechterem Gesundheitszustand hätten tendenziell häufiger Probleme bei der Beschaffung und Beurteilung gesundheitsrelevanter Informationen als der Durchschnitt.

Terminvergabe wird zur Hürde

Für viele Befragte war die Terminvergabe eine Zugangshürde zu medizinischen Leistungen. Nach Gründen gefragt, warum es in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht möglich gewesen sei, einen Arztbesuch oder eine medizinische Behandlung zu bekommen, antwortete über ein Drittel (34 Prozent), dass es keinen freien Termin gegeben habe. Bei Menschen mit schlechtem oder sehr schlechtem Gesundheitszustand gab mehr als die Hälfte (54 Prozent) an, dass es keine freien Termine gegeben habe. Zehn Prozent dieser Personengruppe nannten finanzielle Ursachen als weiteren Grund.

Menschen erwarten einen schnellen, barrierefreien Zugang

"Auch strukturelle Zugangshürden führen im Gesundheitswesen weiterhin zu schlechteren Gesundheitschancen. Dagegen müssen wir gezielt vorgehen", forderte Verbandschefin Reimann. Die Menschen erwarteten einen schnellen, barrierefreien Zugang zu guter Gesundheitsversorgung - unabhängig von Geschlecht, Alter, Sprache, Behinderung, Pflegebedürftigkeit, Erkrankung, Wohnort oder sozialem Status. Um gesundheitliche Teilhabe insbesondere in strukturschwachen Gebieten zu verbessern und unterschiedliche regionale Handlungsbedarfe zu berücksichtigen, brauche es einen verlässlichen Rahmen für die Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure vor Ort, ergänzte sie. Gemeinsam mit den Kommunen gelte es, neuartige Angebote wie Gesundheitszentren oder Gesundheitskioske zu schaffen.

Das Meinungsforschungsinstitut forsa hat zwischen dem 27. April und dem 20. Mai dieses Jahres Erwachsene in Privathaushalten in Form von Telefoninterviews befragt.

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