Sonnenbaden mit Genuss: Auf das richtige Maß kommt es an

Hautgesundheit

10.05.16 (ams). Endlich Sonne! Das schöne Wetter macht uns glücklich und aktiv. Und nicht zuletzt verleiht die UV-Strahlung eine attraktive Bräune. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: "Viele Menschen unterschätzen die gesundheitlichen Gefahren des Sonnenbadens", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. Er gibt Tipps, wie Sonnenhungrige Hautschäden vermeiden können. Sich stundenlang der prallen Sonne aussetzen - und mit Sonnencreme sparen: Das sind Dinge, die die Haut nicht vergisst. Die Sonnenstrahlung lässt die Haut vorzeitig altern und ist ein wichtiger Risikofaktor für Hautkrebs. Um dauerhafte Hautschäden davonzutragen, muss es nicht erst zu einem Sonnenbrand kommen. Schon lange vor einem Sonnenbrand ist die Haut belastet. Die Mittagssonne meiden - das ist die beste Maßnahme, um die Haut nicht unnötig zu belasten. Gerade im Hochsommer sollte man sich bei prallem Sonnenschein zwischen 11 und 15 Uhr ein schattiges Plätzchen suchen oder sich in Innenräumen aufhalten. Das Gleiche gilt für Urlaubsaufenthalte in südlichen Breiten. Kinder und Erwachsene schützen sich dann vor zu intensiver Sonneneinstrahlung  am besten mit Sonnenschirm, Hut  und Kleidung sowie einer Sonnenbrille. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft spezielle UV-Schutztextilien, am besten nach UV-Standard 801 zertifiziert. Die bieten einen UV-Schutz zum Beispiel auch im nassen Zustand - während normale Kleidung an Schutz verliert, wenn sie nass wird. 


Sendefähige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband:

Mittagssonne möglichst meiden

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Richtiger Einsatz von Sonnenschutzcreme

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Außerdem sollte eine Sonnencreme mit UV-A- und UV-B-Schutz und hohem Lichtschutzfaktor aufgetragen werden. Dabei ist die Verwendung von Sonnencreme nicht so ein zuverlässiger Schutz wie Schatten und Kleidung. Das gilt insbesondere für den Urlaub am Strand: Wasser und heller Sand reflektieren das Sonnenlicht und erhöhen dadurch die UV-Belastung erheblich. Auch in den Bergen nimmt die Strahlenintensität zu: Pro 1.000 Höhenmeter um etwa zehn Prozent. Da ist es gut für die Haut, wenn das Wandern oder Baden auf den frühen Vormittag oder späten Nachmittag verlegt und mittags eine schattige Siesta abgehalten wird. Doch auch im Schatten ist noch viel UV-Strahlung vorhanden. Bei lockerer Bewölkung dringen noch bis zu 75 Prozent der UV-Strahlung durch. Wer ein längeres Sonnenbad ohne die unangenehmen Folgen eines Sonnenbrandes genießen will, für den gilt: eincremen oder sprayen - und zwar reichlich. Untersuchungen zeigen nämlich, dass viele Menschen ziemlich sparsam mit Sonnenschutzmitteln umgehen. Ein Erwachsener benötigt etwa einen Teelöffel fürs Gesicht und sechs Teelöffel für den ganzen Körper Außerdem sollte der Lichtschutzfaktor (LSF) stimmen, der angibt, um wie viel Mal sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Die Eigenschutzzeit wiederum bezeichnet die Zeitdauer, die man die ungebräunte Haut maximal der Sonne aussetzen kann, ohne dass sie rot wird. Je empfindlicher die Haut, desto kürzer die Eigenschutzzeit - und desto höher sollte der LSF sein.

Hautärzte unterscheiden vier europäische Hauttypen:

  • Typ I: Der sogenannte keltische Typ hat sehr blasse Haut und ist am lichtempfindlichsten: Er wird gar nicht braun und verbrennt sich schon nach wenigen Minuten. Im Sommer sollte er sich ohne hohen LSF (am besten 50) gar nicht aus dem Haus trauen. Eigenschutzzeit: 5 bis 10 Minuten.
  • Typ II: Der sogenannte nordische Typ mit blonden Haaren hat ebenfalls sehr empfindliche Haut und braucht besonders anfangs einen hohen Faktor, doch kann er im Laufe der Sommermonate mit einer leichten Bräune rechnen und zu einem mittleren LSF übergehen. Eigenschutzzeit: 10 bis 20 Minuten.
  • Typ III: Dieser Mischtyp mit dunkelblonden bis braunen Haaren gilt als mitteleuropäischer Normalfall und wird fortschreitend braun, kann sich jedoch vor allem anfangs auch schnell verbrennen. Bei nicht vorgebräunter Haut mindestens mittleren LSF benutzen. Eigenschutzzeit: 15 bis 25 Minuten.
  • Typ IV: Der mediterrane Typ mit olivfarbenem Teint bleibt weitgehend von einem Sonnenbrand verschont, sodass ein niedriger LSF reicht. Eigenschutzzeit: 20 bis 30 Minuten.

Auch wasserfeste Sonnenschutzmittel "verwässern“ übrigens beim Baden oder starkem Schwitzen, sodass Nachcremen erforderlich ist. Doch Achtung: Viele Menschen glauben, dass sich durch wiederholtes Eincremen die Schutzzeit immer wieder verlängert, doch das funktioniert nur einmal pro Tag.

Zwei Filtersysteme sind bei Sonnenschutzmitteln erlaubt: Chemische Filter dringen in die Haut ein, nehmen die UV-Strahlung auf und wandeln sie in energieärmere um. Einige Menschen reagieren allergisch auf diese chemischen Substanzen, sie sollten auf Sonnenschutzmittel mit mineralischem Filter zurückgreifen, die meist als winzige Nanopartikel in der Creme enthalten sind. Diese Filter reflektieren die Strahlung und halten sie so von der Haut fern. Mineralische Filter sind auch für Kinder sowie bei Hauterkrankungen geeignet. Oftmals werden aber auch beide Filter kombiniert. Zu viel UV-Strahlung, sei es am Strand oder im Solarium, schadet der Haut. Dann kann es zur Entstehung von Hautkrebs kommen. Um Hautkrebs möglichst früh zu erkennen, können AOK-Versicherte ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre am sogenannten Hautkrebs-Screening teilnehmen. Ein hierzu qualifizierter Hausarzt oder ein Dermatologe begutachtet während der Untersuchung die gesamte Haut des Versicherten und fragt gezielt nach Hautveränderungen.
 

Sicher Sonnen heißt:

  • Mittags im Schatten aufhalten.
  • Reichlich Sonnencreme mit richtigem Lichtschutzfaktor benutzen. Sonnenöle haben häufig einen niedrigeren Lichtschutzfaktor als Sonnenmilch und bieten deshalb oft keinen ausreichenden Schutz.
  • Auf UV-A-Siegel achten. Moderne Sonnenschutzmittel schirmen nicht nur UV-B-, sondern auch UV-A-Strahlen ab, sodass sie einem Sonnenbrand effektiver entgegenwirken.
  • Beim Cremen oder Sprayen Ohren, Nacken, Füße und gegebenenfalls Kopfhaut nicht vergessen.
  • Nach Baden oder Schwitzen nachcremen.
  • Kopfbedeckung und Sonnenbrille aufsetzen.
  • Bei starker Sonneneinstrahlung oder lichtempfindlicher Haut (auch für Kinder) empfehlen sich ein textiler Schutz wie T-Shirt, Hemd und Hose.


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