KAI heißt die Zauberformel für gesunde Kinderzähne

Mundhygiene spielerisch lernen

29.08.17 (ams). KAI ist nicht nur ein Jungenname, sondern auch eine Zauberformel für gesunde Kinderzähne. Hinter den drei Buchstaben verbirgt sich nämlich die Anleitung dafür, wie kleine Kinder sich am besten die Zähne putzen: erst Kauflächen, dann Außenflächen und Innenflächen. "Je eher Kinder das mithilfe ihrer Eltern lernen, desto besser stehen die Chancen, dass die Zähne lange gesund bleiben", sagt Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK. Kinder sollten zunächst einmal verstehen, warum sie sich ihr Leben lang mindestens nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen die Zähne drei Minuten lang putzen sollten: Mit den Speiseresten wird vor allem auch schädlicher Zahnbelag entfernt, den der Zahnarzt als Plaque bezeichnet. Dieser Zahnbelag besteht hauptsächlich aus Bakterien, die sich schnell vermehren und Säuren bilden. Sie greifen wiederum den Zahnschmelz an, sodass Karies entstehen kann.
Meist ist es bei kleinen Kindern kein Problem, sie fürs Zähneputzen zu begeistern. "Kleine Kinder wollen alles genauso machen wie Erwachsene, diese Chance sollten Eltern sich beim Thema Zähneputzen nicht entgehen lassen", sagt Kühler. Sie empfiehlt zudem, das Zähneputzen mit den Kindern mit einem schönen Ritual wie etwa einem speziellen Lied zu verbinden.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK

Tipps, um Kinder ans Zähneputzen zu gewöhnen

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Wann Eltern mit dem Zähneputzen bei ihren Kindern anfangen sollten

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Sobald der erste Milchzahn durchbricht, können Eltern mit dem Reinigen der Zähne beginnen, erst einmal vorsichtig mit einer speziellen Kinderzahnbürste oder einer Fingerbürste und mit einer kleinen Menge Zahnpasta für Milchzähne.

Je mehr Zähne kommen, desto mehr freuen sich die Kinder aufs richtige Zähneputzen mit Bürste und Paste - und das am liebsten ganz allein.
"Am Anfang müssen das die Eltern machen. Am besten tun sie es ebenfalls mit der KAI-Methode und erklären es dem Kind. So fällt es ihm anschließend leichter, es allein zu übernehmen", so Kühler weiter. Aber selbst wenn die Kinder allein putzen, müssen die Eltern noch lange nachputzen. Wie lange, das hängt davon ab, wie gut die Kinder es können. AOK-Expertin Kühler: "Letztlich sollte man das im Einzelfall mit dem Zahnarzt besprechen." 

Und so geht die KAI-Methode: 

  • K wie Kauflächen: Die Kauflächen sollten oben und unten zuerst geputzt werden, und zwar von den Backenzähnen hin zu den Schneidezähnen.
  • A wie Außenfläche: Für die Außenflächen fletscht das Kind die Zähne, die dann mit kreisenden Bewegungen von hinten nach vorne geputzt werden. 
  • I wie Innenflächen: Für die Innenflächen wird die Zahnbürste am Zahnfleisch angesetzt und in Richtung Zahnkrone geputzt: im Oberkiefer also von oben nach unten, im Unterkiefer von unten nach oben. Hinter die Schneidezähne kommt man besser, wenn man die Bürste hochkant ansetzt. 

Neben der richtigen Putztechnik kommt es auch auf die altersgerechte Zahnbürste an. Auf den Packungen steht jeweils, für welches Alter die Bürsten geeignet sind. Grundsätzlich gilt: Der Bürstenkopf darf nicht zu groß, die Borsten sollten abgerundet und weich oder höchstens mittelhart sein. Gut ist es, wenn die Bürste abgerundete Borsten hat, die in der Mitte kurz und außen länger sind. Damit erreicht man die Zahnzwischenräume besser. Von Naturborsten raten Experten ab, weil sie leichter splittern und somit eher das Zahnfleisch verletzen.

Zahnbürste alle zwei Monate wechseln

Da die Zahnbürste beim Putzen nicht zu stark aufgedrückt werden sollte, bleibt sie oft lange gut erhalten. Auch wenn die Borsten daher nicht ausgefranst sind, sollte die Bürste allein schon aus hygienischen Gründen nach zwei bis drei Monaten gewechselt werden. Ist der erste Eifer beim Zähneputzen überwunden, wünschen sich viele Kinder eine elektrische Bürste, denn sie denken, dass das Putzen damit ganz von selbst geht. Kühler: "Das ist jedoch nicht so. Die richtige Putztechnik müssten die Kleinen schon beherrschen. Deshalb sollten Eltern sich vom Zahnarzt beraten lassen, ob und wann es für ihr Kind sinnvoll ist, auf die elektrische Bürste umzusteigen." Zahnseide oder Zwischenraumbürsten helfen dabei, Karies in den Zahnzwischenräumen zu verhindern. "Das A und O ist das richtige Putzen. Wenn Kinder Zahnseide oder Bürsten für die Zwischenräume zusätzlich nutzen, ist es umso besser", sagt Zahnärztin Kühler. Ob es gut ums Putzen und die Gesundheit der Zähne bestellt ist, erfahren Eltern und Kinder bei ihren regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt. Kleine Kinder können ab dem 30. Lebensmonat Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen. Der Zahnarzt berät zum individuellen Kariesrisiko, zu geeigneten Fluoridierungsmaßnahmen und kann frühzeitig Erkrankungen der Zähne oder des Kiefers feststellen. Auch Ernährungs- und Mundhygieneberatung gehört dazu. Ab dem sechsten Lebensjahr sollte zweimal im Jahr der Zahnarzt aufgesucht werden. Hierbei berät der Zahnarzt Eltern beispielsweise auch, wann eine sogenannte Fissurenversiegelung nötig und sinnvoll ist. Bakterien bedrohen nämlich vor allem die Backenzähne wegen ihrer oftmals ausgeprägten tiefen Furchen, in die sich die Bakterien einnisten. Das Versiegeln geht schnell, tut nicht weh und kann das Risiko von Karies verringern. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 17 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, sofern es sich um bleibende Backenzähne handelt.

Ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker

Neben der richtigen Putztechnik ist für gesunde Zähne allerdings noch etwas enorm wichtig: eine ausgewogene Ernährung mit möglichst wenig Zucker. "Eltern tun schon viel Gutes für die Zähne ihrer Kinder, wenn sie von Anfang an auf gesüßte Getränke verzichten", rät Kühler. Um den Durst zu löschen, eignen sich auch Wasser und ungesüßte Tees. Sobald das Kind sitzen kann, trinkt es aus der Tasse. Ein Dauernuckeln an Trinklernflaschen ist sehr schädlich für die Zähne. Viel Obst und reichlich Gemüse sind insgesamt fürs gesunde Aufwachsen gut, Zucker und Süßigkeiten sollten es so wenig wie möglich sein. Allerdings halten die Experten von strikten Verboten genauso wenig wie von Süßigkeiten im Überfluss, der Riegel zwischendurch bleibt also erlaubt. Kühler: "Wer das beherzigt, hat gute Chancen, dass bei seinen Kindern wenig gebohrt werden muss."


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