Der Gesundheit zuliebe: Weniger Zucker

Süße Fallen meiden

05.12.19 (ams). Durchschnittlich 30 Stück Würfelzucker isst ein Mensch in Deutschland pro Tag. Natürlich nicht "pur", sondern als Bestandteil der täglichen Nahrung. Das sind etwa 90 Gramm am Tag - deutlich mehr als die von Fachleuten maximal empfohlenen 50 Gramm für Erwachsene und 25 Gramm für Kinder. Besonders Kinder mögen es süß und nehmen im Schnitt mit 44 g pro Tag zu viel Zucker zu sich.

Zu viel Zucker zu essen, wirkt sich auf die Gesundheit aus: So steigt beispielsweise das Risiko, an Adipositas (Fettleibigkeit) oder Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich an. Derzeit sind laut Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG) etwa 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland übergewichtig, davon sind 800.000 adipös. Von den insgesamt 82,7 Millionen Menschen in Deutschland sind 7,1 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes erkrankt. Das entspricht einem Anteil von 8,6 Prozent Typ-2-Diabetikern in der Bevölkerung. Damit ist nahezu jeder Zwölfte betroffen, wie der Gesundheitsatlas Diabetes des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegt. Im Jahr 2040 rechnen Forscher des Deutschen Diabetes Zentrums mit bis zu zwölf Millionen Typ-2-Diabetikern in Deutschland.

"Meist macht sich der Typ-2-Diabetes erst im höheren Lebensalter bemerkbar. Zunehmend sind aber auch Jugendliche betroffen. Die Zahl der Neuerkrankungen bei ihnen hat sich in den vergangenen Jahren verfünffacht, wobei fast nur stark Übergewichtige betroffen sind", sagt Kristin Vieler, Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin im AOK-Bundesverband.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Kristin Vieler, Gesundheits- und Ernährungsberaterin im AOK-Bundesverband

Risiken von zu viel Zuckerkonsum

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Lage in Deutschland

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Körper braucht Kohlenhydrate in Maßen und in guter Qualität

Typ-2-Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich zu viel Zucker im Blut ansammelt. Die Bauchspeicheldrüse stellt zwar noch genug Insulin her, es kommt aber immer schlechter in den Körperzellen an. Die Folge: Der Blutzucker kann nicht mehr richtig verwertet werden, der Zuckerspiegel im Blut steigt an. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall; auch Augen, Nerven und Nieren können geschädigt werden. "Der Körper braucht zwar Kohlenhydrate zur Energiegewinnung, allerdings in guter Qualität und in Maßen. Verbraucher können aber nur schwer erkennen, wie viel und welche Art von Zucker in den einzelnen Lebensmitteln versteckt ist. Tatsächlich enthalten etwa 80 Prozent der Fertigprodukte in Supermärkten zugesetzten Zucker", so Kristin Vieler weiter. Ein besonderes Problem sind gezuckerte Erfrischungsgetränke: "Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es eindeutige Hinweise für einen Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und Typ-2-Diabetes, aber auch Übergewicht, gibt." Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat daher vor einem Jahr die "Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie: Weniger Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten" initiiert. Bis Ende 2025 sollen, unter anderem über eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft, mindestens 20 Prozent weniger Zucker in Frühstückscerealien für Kinder, mindestens 15 Prozent weniger Zucker in Erfrischungsgetränken und mindestens zehn Prozent weniger Zucker in Kinderjoghurts erreicht werden. Des Weiteren wurde im Juli 2019 vom Ministerium eine Verordnung für das Verbot von Zucker und süßenden Zutaten in Säuglings- und Kindertees auf den Weg gebracht.

Übergewicht ist ein drängendes Gesundheitsproblem

"Übergewicht ist zu einem der drängendsten Gesundheitsprobleme in Deutschland geworden. Um diesen Trend aufzuhalten, sollte der Zuckerkonsum bei Kinder,  Jugendlichen und Erwachsenen reduziert werden", sagt Ernährungswissenschaftlerin Vieler. Einer Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zufolge können die meisten Eltern (92 Prozent) den Gesamtzuckergehalt von Lebensmitteln und Getränken jedoch nicht einschätzen. Denn Zucker ist nicht nur in süßer Nahrung enthalten, sondern versteckt sich auch in herzhaften Produkten – so enthält zum Beispiel eine Fertigpizza etwa drei Stück Würfelzucker. Auch die AOK will mit der Aktion #wenigerZucker Erwachsene und Kinder dabei unterstützen, öfter auf Zucker zu verzichten. "Wir möchten die Ernährungs- und Gesundheitskompetenz der Verbraucher stärken, zum Beispiel durch die App 'AOK Gesund Einkaufen'", sagt Kristin Vieler. Die App hilft dabei, Zucker-, Salz- und Fettfallen in Lebensmitteln zu erkennen und liefert wertvolle Tipps zu Einkauf und Zubereitung. Mithilfe des Würfelzucker-Rechners und des Zucker-Scanners lässt sich auch versteckter Zucker besser erkennen.

Aktion "Weniger Zucker"

Im Herbst 2018 wurde die Aktion "Weniger Zucker" ins Leben gerufen, als Bündnis von DANK (Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten), AOK-Bundesverband, foodwatch e.V., der DDG und dem Ethnomedizinischen Zentrum e.V. Ziel ist es, den hohen Zuckerkonsum in Deutschland zu verringern und eine gesunde Ernährung durch gesundheitspolitische Entscheidungen zu fördern. Die Aktion "Weniger Zucker" hat vier Forderungen aufgestellt. Zum einen soll es eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung für alle Bevölkerungsgruppen geben und zum anderen steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln. Darüber hinaus fordert die Aktion ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für zuckerreiche und hochkalorische Lebensmittel sowie verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung. Der Zuckergehalt von Lebensmitteln soll messbar sinken und damit auch der Gesamtzuckerkonsum der Bevölkerung.
 

Zum ams-Thema 01/19