Lese- und Schreibkompetenz stärken

AOK und Stiftung Lesen veröffentlichen Handlungsempfehlungen

Cover: HEAL-Empfehlungen - stq

(05.02.20) Rund zwölf Prozent der Erwerbsfähigen hierzulande können nicht richtig lesen und schreiben. Das zeigte die 2019 veröffentlichte LEO-Studie der Universität Hamburg. Hochgerechnet entspricht dies bundesweit etwa 6,2 Millionen Menschen. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen hat das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt "HEAL – Health Literacy im Kontext von Alphabetisierung und Grundbildung" Empfehlungen veröffentlicht, wie die Lese- und Schreibfähigkeit im Bereich der Gesundheitsversorgung gestärkt werden kann. Sie konzentrieren sich auf vier Handlungsbereiche: Vernetzung von Akteuren, Gestaltung von Rahmenbedingungen, Erreichung und Ansprache von Zielgruppen sowie Einbezug von Chancen und Implikationen der Digitalisierung in allen Handlungsfeldern. Darüber hinaus empfehlen beide HEAL-Projektpartner dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, einen Förderschwerpunkt zu diesem Themenfeld zu initiieren. Vorausgegangen waren zwei prominent besetzte Fachtagungen mit den Initiatoren AOK-Bundesverband und Stiftung Lesen sowie weiteren 70 Expertinnen und Experten, ferner ein intensiver Austausch mit betroffenen Personen.

"Wenn Menschen beispielsweise den Beipackzettel eines Medikaments nicht verstehen, weil sie nicht richtig lesen und schreiben können, so kann dies gesundheitsschädliche Folgen haben. Für Allergiker, die die Nährwertangaben auf Lebensmitteln nicht richtig lesen können, wird das sogar lebensbedrohlich. Diese fehlende Lese- und Schreibkompetenz kann sich auch auf viele andere Lebensbereiche negativ auswirken. Unsere Empfehlungen verfolgen daher einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, der sich nicht nur an Akteure aus dem Bildungs- und Gesundheitssektor richtet, sondern auch viele weitere politische Ressorts in die Pflicht nimmt", erklärt Dr. Kai Kolpatzik, Präventionsexperte im AOK-Bundesverband.

Dementsprechend konzentrieren sich die im Rahmen von HEAL erarbeiteten Vorschläge neben der zentralen Forderung der "Literacy in all Policies" auf vier Handlungsfelder: die "Vernetzung von Akteuren" sieht beispielsweise die partnerschaftliche Planung und Umsetzung von Grundbildungsangeboten durch Anbieter aus der Gesundheitsförderung und Alphabetisierung vor. Unter der „Gestaltung von Rahmenbedingungen“ verstehen die Initiatoren unter anderem die Entwicklung laienverständlicher Darstellungen auf Beipackzetteln und anderen medizinisch relevanten Materialien. Die weiteren beiden Bereiche beziehen sich auf die "Erreichung und Ansprache von Zielgruppen" sowie den "Einbezug von Chancen und Implikationen der Digitalisierung in allen Handlungsfeldern".

"Unser Ziel ist es, Menschen in ihrem Alltag zu stärken und dafür zu sorgen, dass sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten. Gerade beim Thema Gesundheit kann eine gute Lesekompetenz darüber entscheiden, ob Vorsorge und Therapien optimal genutzt werden und erfolgreich sind. Wir empfehlen daher allen Akteuren aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich, sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass Lesen Bestandteil einer jeden Biographie wird", sagt Prof. Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung bei der Stiftung Lesen.

Weitere Hintergrundinformationen:

HEAL ist nicht das einzige Projekt, bei dem AOK und Stiftung Lesen sich engagieren. Seit vielen Jahren unterstützt die AOK den bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen. Beide Partner sind derzeit im Gespräch, die Zusammenarbeit weiter auszubauen. Ferner bietet die AOK im Internet mit den sogenannten Faktenboxen ein kostenloses Unterstützungsangebot, das Gesundheitsinformationen leichter verständlich macht. Außerdem beraten und unterstützen bundesweit über 700 AOK-Pflegeberater Pflegebedürftige und ihre Angehörigen und bringen ihnen so Gesundheits- und Pflegeinformationen transparent und laienverständlich näher. „Auch diese Angebote fördern die leichtere Verständlichkeit von Gesundheitsinformationen“, weiß Dr. Kolpatzik.

(Gemeinsame Pressemitteilung der Stiftung Lesen und des AOK-Bundesverbandes vom 05.02.20)